Umfang und Länge für den Zuschnitt berechnen
Miss Brust und Hüfte an ihrer jeweils stärksten Stelle. Verwende den größeren Umfang als Maß C. Für dieses bewusst weite Modell rechnen wir zunächst mit 30 Zentimetern Mehrweite. Die Zuschnittbreite beträgt daher C plus 30, geteilt durch zwei, anschließend plus vier Zentimeter für die seitlichen Säume. Die gewünschte Länge L misst du von der Schulter bis zum späteren unteren Saum.
Der Stoff wird an der Schulter quer gefaltet. Deshalb beträgt die gesamte Zuschnittlänge zweimal L plus vier Zentimeter. Bei einem größten Körperumfang von 100 Zentimetern und einer gewünschten Länge von 90 Zentimetern ergibt sich ein Rechteck von 69 × 184 Zentimetern. Die vier zusätzlichen Zentimeter in der Länge verteilen sich auf zwei untere Säume mit jeweils zwei Zentimetern Verbrauch.
Verwende einen leichten, nicht elastischen Stoff, der für deine gewünschte Bedeckung ausreichend dicht ist. Wasche ihn nach den bekannten Pflegeangaben vor. Prüfe außerdem, ob du genügend zusammenhängende Stofflänge hast und ob ein gerichtetes Muster auf der Rückseite auf dem Kopf stehen würde. Ein ungerichtetes Muster vereinfacht dieses gefaltete Modell. Die Rechnung allein garantiert noch keinen angenehmen Sitz.
Schulterfalte und Ausschnitt vorsichtig vorbereiten
Falte das Rechteck quer zur Länge, sodass Vorder- und Rückenteil gleich lang sind. Die Falte bildet die Schulterlinie. Markiere deren Mitte. Entwirf den Halsausschnitt zunächst auf Papier: eine flache, abgerundete Form, deren vordere Hälfte tiefer reicht als die hintere. Beginne klein und prüfe am Papier, welche Öffnung für deinen Kopf und die gewünschte Halsweite nötig ist. Es gibt hier keine feste Ausschnittgröße, die jedem Menschen passt.
Übertrage die Form auf den geöffneten Stoff. Schneide den vorderen und hinteren Ausschnitt einzeln, damit sie unterschiedlich tief bleiben können. Ein erster kleiner Ausschnitt lässt sich erweitern; eine zu große Öffnung lässt sich nicht ohne zusätzliche Gestaltung wieder schließen. Prüfe beim vorsichtigen Überziehen auch, ob die Schultern ausreichend bedeckt bleiben. Vermeide, eine enge Öffnung mit Kraft über den Kopf zu ziehen.
Fasse die Schnittkante mit einem geeigneten, vorgefalzten Schrägband ein. Wähle einen Aufbau, den du zuvor an einem gebogenen Reststück geübt hast. Beim beidseitigen Einfassen muss die spätere Naht auch die Unterseite des Bandes erfassen. Heften hilft dabei. Ziehe das Band an der Rundung nicht straff; sonst kann sich der Ausschnitt zusammenziehen. Die fertige Öffnung anschließend erneut prüfen.
Außenkanten säumen und Armlöcher festlegen
Schlage die beiden langen Seitenkanten sowie die beiden unteren Kanten jeweils einen Zentimeter und dann nochmals einen Zentimeter nach innen. Bügle und nähe die Säume. Verarbeite die Ecken so, dass keine losen Schnittkanten herausstehen. Nach dem Säumen ist das Beispielstück etwa 65 Zentimeter breit. Seine Länge von der Schulterfalte zum unteren Rand beträgt ungefähr 90 Zentimeter.
Lege den Überwurf wieder an der Schulterfalte zusammen, diesmal so, dass die späteren Außenseiten außen liegen. Die gesäumten Seitenkanten liegen bündig aufeinander. Markiere auf beiden Seiten zunächst einen Punkt 30 Zentimeter unterhalb der Schulterfalte. Oberhalb dieser Punkte bleiben die Armausschnitte offen. Bei kräftigeren Oberarmen oder einer anderen Schulterlage kann mehr Öffnung nötig sein; prüfe die Bewegung bei einer gehefteten Anprobe.
Markiere zusätzlich auf jeder Seite einen Punkt 15 Zentimeter oberhalb des unteren Saums. Zwischen den oberen und unteren Markierungen werden die beiden Stofflagen verbunden. Unten bleiben damit Seitenschlitze. Bei sehr kurzer gewünschter Länge musst du die Aufteilung neu prüfen, damit überhaupt eine sinnvolle Seitennaht entsteht. Die Beispielwerte sind für den beschriebenen längeren Überwurf gedacht.
Seitennähte schließen und Bewegungsraum prüfen
Heften und probieren kommen vor der endgültigen Naht. Verbinde dann die gesäumten Seiten etwa fünf Millimeter innerhalb der Außenkante zwischen den Markierungen. Verriegle Anfang und Ende. Bei der Beispielrechnung gehen dadurch nochmals ungefähr zwei Zentimeter vom gesamten Umfang verloren; rechnerisch bleiben rund 28 Zentimeter Mehrweite. Diese Zahlen ersetzen keine Anprobe, weil Stofffall und Körperform ebenfalls wirken.
Hebe die Arme, setze dich und gehe einige Schritte. Öffnungen dürfen nicht einschneiden, und die Seitenschlitze sollen Bewegung erlauben. Zur passenden Nadel nach Material bietet die SCHMETZ-Produktübersicht Orientierung. Für andere Projekte aus Resten findest du bei unserer Auswahl einfacher Näharbeiten kleinere Einstiege. Eine ungefütterte Stofftasche ergänzt den Überwurf, benötigt aber eine eigene Tragekonstruktion.
Häufige Fragen
Ist das ein geprüftes Konfektionsschnittmuster?
Nein. Es ist eine geometrisch beschriebene Konstruktion mit individuellen Maßen und notwendigen Anproben. Es wurde hier kein physisches Probeteil genäht und keine Größenreihe getestet.
Warum gibt es kein festes Maß für den Halsausschnitt?
Kopfumfang, gewünschte Halsweite und Schulterbedeckung unterscheiden sich. Zu großzügiges Ausschneiden lässt sich schlecht rückgängig machen. Deshalb wird die Form zuerst erprobt und schrittweise angepasst.
Kann ich einen Gürtel ergänzen?
Ein separat vorhandener Gürtel kann die Weite optisch sammeln. Prüfe dabei Bewegungsfreiheit und Stofffall. Gürtelschlaufen und deren Befestigung gehören nicht zur beschriebenen Grundkonstruktion.